Helga Domanski

Helga Domanski wurde 1952 in Berlin Prenzlauer Berg geboren. Die Mutter ist durch eine schwere Krankheit bereits früh verstorben. Der alleinerziehende Vater war arbeitstätig und brachte Helga zunächst in eine Kindertagesstätte, um weiterhin seiner Arbeit nachgehen zu können. Leider fühlte sich Helga nicht wohl im Kindergarten und besuchte diesen nicht mehr.

Ab sofort war sie ein so genanntes Schlüsselkind und verbrachte mit ihrem Hausschlüssel um den Hals die Tage spielend auf der Straße in der Nachbarschaft, bis der Vater abends wieder nach Hause kam. Ab und zu bekam sie vom Metzger eine Scheibe Wurst, vom Becker ein Stück Brot oder von den Nachbarn einen Apfel.

Schmerzhafter Weg ins Heim

Helgas Tante konnte diesen Zustand nicht länger mit ansehen und holte Helga zu sich nach Hause. Sie hatte keine Kinder und wollte für Helga da sein. Jedoch hielt ihr bettlägeriger Mann nichts von dieser neuen Situation und drang darauf, Helga los zu werden.

Widrige Umstände brachten den Vater dazu, Adoptionspapiere zu unterschreiben, die von der Tante organisiert waren.
Helga wurde im Alter von 10 Jahren eines Tages ohne ihr Wissen von ihrer Tante in das Kinderheim Königsheide gebracht. Wie vor den Kopf gestoßen versuchte sie zu verstehen, was gerade passiert ist.

Helgas Schicksal war entschieden. Sie wurde in einem schwarzen Auto zum Heim gebracht und sah die rauchenden Schornsteine des Elektrizitätswerkes an sich vorbeiziehen. Sie fühlte sich wie auf dem Weg in ein Krematorium.

Rückblick auf die Heimzeit

Helga Domanski verbrachte ihre ganze Kindheit und Jugend in der Königsheide. Sie war ein sehr schüchternes Kind und tat sich schwer mit der neuen Umgebung und den vielen fremden Kindern. Mit der Zeit lebte sie sich ein und akzeptierte ihr Leben im Heim. Eine andere Wahl hatte sie auch nicht. Bis heute hat sie schöne Erinnerungen an die Weihnachtsfeste und ihre Jugendweihe, auch wenn sie sich wünschte, diese Ereignisse in ihrem jungen Leben mit Ihrer Familie verbracht zu haben.

Die Zukunftsgestaltung war sehr begrenzt. So entschied sie sich von lediglich drei verfügbaren Ausbildungen für die Lehre als Maßschneiderin. Des Weiteren lief die Betreuung nach der Entlassung nicht so gut für Sie, weil eine weitere Betreuung nach dem Ausscheiden nicht gegeben war und kein weiterer Kontakt zu den Erzieherinnen bestand.

Mit 19 Jahren war sie bereits Mutter und versucht sich in der fremden Welt außerhalb des Kinderheims zurecht zu finden. Da sie keinen Krippenplatz für ihre Tochter fand, kehrte sie als Erzieherin auf die Säuglingsstation im Haus 5 der Königsheide zurück. Zwischen 1972 bis 1975 hat Helga im Kinderheim gearbeitet und ihre Tochter betreuen lassen und gleichzeitig einer Arbeit nachgehen.

Entscheidung gegen die DDR

1981 wurde Helga Domansksi Ausreiseantrag genehmigt, während sie inzwischen in ihrem erlernten Beruf in einer Firma als Maßschneiderin arbeitete.

Um Einsicht in Ihre Stasiakte zu erhalten beantragte sie schon im Jahr 2018 Einsicht in diese und wartet auf das Ergebnis bis heute.


Das Interview mit Helga Domanski

Projektteam

Gerd | Yacine