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Und der Wind drehte sich… –
Staatlich gelenkter Umbruch im ehemals größten Kinderheim der DDR

WS 2019/2020


Wir widmen uns einer besonderen Phase im ehemals größten Normalkinderheim der DDR in der Königsheide im Osten Berlins:

Die Dekade von 1960 bis 1970. Eine bewegte Zeit, in der historische Zäsuren nicht nur in der DDR wie auch der Bundesrepublik die politische Entwicklung beider Teilstaaten bestimmen, sondern auch im Kinderheim in der Königsheide – den meisten bekannt und eine für dieses Jahrzehnt richtungsweisende Umbenennung mit dem Namen (Heimkombinat) Kinderheim A. S. Makarenko.

Ein politisch herbeigeführter Leitungswechsel im Jahre 1965. Günter Riese – nach zwölfjähriger Amtszeit als Heimleiter im Dienst wird abgesetzt und Dr. Siegfried Graupner tritt an seine Stelle. Während ehemaligen Heimkindern der Heimleiter Riese als schillernde Persönlichkeit in Erinnerung geblieben ist, die ihm zum Namen „Vater Riese“ verhalf, wurde mit Graupner ein Heimleiter ernannt, der symbolisch für einen explizit gewollten Wechsel auf allen Ebenen steht: Linientreu und eng verzahnt mit dem politischen Machtapparat der DDR ist er Garant des neuen und künftig eingeforderten Führungsstils im Vorzeigeheim der DDR.

Wie durch sein gesamtes Bestehen hindurch, spiegelt sich im Werdegang des größten Kinderheimes der DDR, fokussiert wie durch ein Brennglas der Zustand des Arbeiter- und Bauernstaates. Jedoch ist für die vielen Heimbewohner – Heimkinder und Personal – diese Zeit unter ganz anderen Aspekten in Erinnerung. Wir wollen Stimmen einfangen von Zeitzeugen, die diese Zeit im Heim miterlebt haben und authentisch Auskunft geben können, was sie von dieser Phase erinnern und somit prüfen, inwiefern sich äußere Weichenstellungen auf die Lebensgestaltung im einstigen Vorzeigeheim der DDR tatsächlich ausgewirkt haben.

Anhand einer Vorlesung gekoppelt mit einem Projektseminar haben wir uns mit den Studierenden dieser besonderen Phase der DDR genähert. Ihre Aufgabe war, diese Zeit inhaltlich aufzubereiten und für die Öffentlichkeit in einer Kombination aus analogen und digitalen Elementen zugänglich und vor allem nachvollziehbar machen.

Hierzu entwickeln wir ein museales Ausstellungsobjekt in Form einer Stele, die mit digitalen Elementen verknüpft werden soll. Die Umsetzung für die inhaltliche Aufbereitung der Stele ist Kern des Projektseminars, während die Vorlesung die theoretischen Grundlagen für diese Arbeit liefert und sichert.

Die Verknüpfung mit dieser Webseite als Projektergebnis des Seminars via QR-Codes stellt das Bindeglied für weiteren Content wie etwa Zeitzeugen-Interviews, historischem Video- sowie Audiomaterial dar.

Die Ausstellung wird Café Sibylle auf der Karl-Marx-Allee am 29. September 2020 um 18:00 Uhr eröffnet und ist bis zum 24. November 2020 dort für die Öffentlichkeit zu sehen. Das traditionsreiche Café ist mittlerweile traditionell der bevorzugte Ort für unsere Präsentation der Seminarergebnisse.