Heidemarie Schubert

– Heimkind in der Königsheide von 1958 bis –

Das Interview mit Heidemarie Schubert


Das Interview entstand im Januar 2020 im IBZ Königsheide.

Interviewer: Leonard M. und Georg B.;
Kamera und Schnitt: Wenzel S.,
Licht: Roland G.;
Bildnachweise: siehe weiter unten
Vimeo Creative Commons Lizenz vergeben mit: CC-BY-SA


Inhalt des Videos:
Mauerbau 1961
Pioniere & FDJ
Zensuren & Abitur
Bonbons
Arbeitsgemeinschaften & Kuba
Generationen im Heim
Politischer Wandel in der Königsheide (TC:12:46)

Einleitung

Heidemarie Schubert wird 1948 als uneheliches Kind in Jerichow in Sachsen-Anhalt geboren
und wächst zunächst bei ihren Großeltern auf, die durch die Erkrankung der Großmutter
jedoch bald nicht mehr in der Lage sind, ausreichend für sie zu sorgen. Dass sie schließlich
in die Königsheide kommt, verdankt Heidemarie Schubert ihrer Tante, die zu dieser Zeit in Berlin
lebt und die Vormundschaft für Heidemarie Schubert übernimmt. Über Kontakte zu den Behörden
wird es Heidemarie Schubert ermöglicht, im August 1958 in die Königsheide zu ziehen. Heute
bezeichnet sie diese Fügung als “die beste Möglichkeit” für ihre spätere
Entwicklung.

Noch bestehende Kontakte zu ihrer Verwandtschaft ermöglichen es Heidemarie Schubert nach der
Zeit in der Königsheide ein relativ sorgenfreies Leben zu führen. Insofern unterscheidet sie
sich von vielen anderen Kindern und Jugendlichen im Heim, die kaum Kontakte außerhalb
der Königsheide hatten und so mit der Volljährigkeit in eine sie oft überfordernde
Unabhängigkeit entlassen wurden. Bei ihrer Entlassung hilft ihr auch eine Erbschaft ihrer
Tante, die Heidemarie Schubert in die glückliche Lage versetzte, die nötigsten Dinge für ihre neue Wohnung zu
besorgen.

Noch heute hat Heidemarie Schubert noch Kontakt zu einer ihrer damaligen
Erzieherinnen, Erika Zacher, die ebenfalls an dem Zeitzeugenprojekt teilnahm.

Politik

Die politischen Ereignisse, die zu dieser Zeit das Leben vieler DDR-Bürger bestimmen, sind
für Heidemarie Schubert in ihrer Kinder- und Jugendzeit oft wenig interessant. An den Tag der
Grenzschließung, als sie auf Klassenfahrt in Goldberg ist, kann sie sich nicht erinnern:

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Sie ist sich des Mauerbaus zwar bewusst, zumal der Grenzübergang
Sonnenallee wenige Kilometer entfernt ist, über die politischen Implikationen macht sie sich
damals jedoch wenig Gedanken. An was sie sich allerdings besonders erinnern kann, sind
die Kinder der Geflüchteten, die nach der Grenzschließung manchmal zurückgelassen
wurden und so in die Königsheide gelangen. Heidemarie Schubert und ihre Klassenkameraden
helfen in den Ferien oft in der Krankenstation, wo diese Kinder aufgenommen werden. Die
spätere Umbenennung des Kinderheims Königsheide in “Kombinat” hat Heidemarie Schubert nie
verstanden. Ein Kombinat sei für sie ein produzierender Betrieb und keine Kindereinrichtung.
Die Umbenennung sei ihrer Meinung nach symptomatisch für die Fehler und Missstände der
DDR, deren Regierung oft über die Köpfe der Bürger hinweg entscheidet und der es nicht
gelingt, das Gefühl zu vermitteln, an demokratischen Prozessen und Entscheidungen
beteiligt zu sein.

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Außerschulische Aktivitäten

Bei der FDJ ist Heidemarie Schubert lange aktiv. Sie nimmt dort Positionen als Kassiererin oder
Wortführerin ein. Dabei spielt für sie weniger die politische Überzeugung eine Rolle, als die
Möglichkeit, Veranstaltungen durchzuführen und unterwegs zu sein.

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Auch abseits des normalen Schulprogramms und der FDJ ist Heidemarie Schubert sehr aktiv und
nimmt an einigen Arbeitsgemeinschaften teil, die in der Königsheide angeboten werden. Sie
fängt mit mit Akrobatik an, wechselt dann jedoch zum Basketball. Ihre Mannschaft, die bei
den Elektrowerken-Treptow trainiert, ist in Berlin recht erfolgreich und nimmt sogar an einer
Meisterschaft teil. Auch im Fotozirkel ist sie beteiligt und veröffentlicht regelmäßig Bilder, die
die AG selbst entwickelt. Im Jahr 1962, auf dem Höhepunkt der Kuba-Krise, kommen die
Tanzgruppe, der Chor und weitere Arbeitsgemeinschaften zusammen und entwerfen ein
eigenes Solidaritäts-Programm.

Wir danken Heidemarie Schubert für die gute Zusammenarbeit und wünschen ihr alles
Gute.

Projektteam

Georg | Leonard | WENZEL

Bildnachweise


Grenzübergang Sonnenallee (Minute 1:55 und 1:58)
Urheber: MfS / Rechte: BStU
https://www.stasi-mediathek.de/medien/der-grenzuebergang-sonnenallee-in-ost-berlin-nachdem- mauerbau/blatt/16/

Bekanntmachung des Ministeriums des Innern der DDR über die Sperrung der Sektorengrenze;
12. August 1961 (Minute 3:18)
Quelle: Polizeihistorische Sammlung des Polizeipräsidenten in Berlin

FDJ Mitgliedsausweis von 1948 (Minute 5:24)
Urheber Wikipedia-Nutzer Exxu / CC-BY-SA 3.0
Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:FDJ-Mitgliedsausweis_1948.jpg

Postzollamt Potsdam, beschlagnahmtes REP-Propagandamaterial (Minute 7:53)
Bundesarchiv, Bild 183-1990-0207-027 / Franke, Klaus / CC-BY-SA 3.0
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bundesarchiv_Bild_183-1990-0207-027

Postzollamt_Potsdam,_beschlagnahmtes_REP-Propagandamaterial.jpg Berlin, S-Bahnhof Treptower Park (Minute 8:30)
Bundesarchiv, Bild 183-60016-0001 / Junge, Peter Heinz / CC-BY-SA 3.0
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bundesarchiv_Bild_183-60016-0001,_Berlin,_SBahnhofTreptower_Park.jpg

Solidaritätsveranstaltung für Kuba, Berlin (Minute 9:43)
Bundesarchiv, Bild 183-79632-0002 / CC-BY-SA 3.0
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bundesarchiv_Bild_183-79632-0002Berlin,_Solidarit%C3%A4tsveranstaltung_f%C3%BCr_Kuba.jpg

Havanna, MS „Völkerfreundschaft“, Kuba-Fahrt 1962 (Minute 10:23)
Bundesarchiv, Bild 183-A1128-0053-001 / Hanke / CC-BY-SA 3.0 Kommentiert [RM8]: Hier Link zum Video mit TImestamp 4:04 einfügen https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bundesarchiv_Bild_183-A1128-0053- 001,_Havanna,_MS%22V%C3%B6lkerfreundschaft%22,Kuba-Fahrt.jpg

Freies Kuba (Minute 10:33)
Bundesarchiv, Bild 183-A1229-0011-001 / CC-BY-SA 3.0
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bundesarchiv_Bild_183-A1229-0011- 001,_Berlin,_Ausstellung%22Freies_Kuba%22,_Plakat.jpg